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Handmade pottery production process

Herstellungsprozess handgetöpferter Keramik

Herstellungsprozess handgetöpferter Keramik

Viele fragen mich, wie lange ich für die Herstellung eines keramischen Stücks benötige. Der Herstellungsprozess, also die Abfolgen der Arbeitsschritte ist bei jedem Produkt unseres Studios gleich. Jedoch variieren die Zeiten der Arbeitsschritte je nach Art des Stücks. Auch die Weise wie die Rohlinge behandelt werden müssen, sind individuell.

Zum Beispiel ist die Trocknungsphase eines Tellers Zeitintensiver als bei einem Becher, da das Teller in der Hälfte auf den Kopf gedreht werden muss, damit es sich bei der Trocknung nicht verzieht und rund bleibt. Wird dieser Moment verpasst, kann dies nichtmehr rückgängig gemacht werden und der Teller muss neu gemacht werden!

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass die Herstellung von handgemachter Keramik viel Gefühl und Ausdauer benötigt. Hier einige Zahlen und Fakten, die euch hoffentlich helfen, dies besser zu verstehen:

Arbeitsablauf bei der Erstellung eines Tellers:

Ich beginne bei der Ton Vorbereitung
(homogenisieren des plastischen Tons durch Kneten) = 3min

Nach dem Kneten beginnt die Formgebung auf der Töpferscheibe:
1. Drehen des Tellers = 5min
+Anschliessende Trocknungsphase = bis zu einem Tag
2. Abdrehen des Tellers (Trimmen) = 5-8min
+Anschliessende Trocknungsphase = bis zu zwei Tagen

Also nach frühestens 3 Tagen, ist das Teller nun bereit für den ersten Brand auf 980°C
Das Teller wird in den Ofen eingesetzt und der Ofen wird gestartet mit einer maximalen Geschwindigkeit von 150°C/h. Ist die maximale Temperatur erreicht, erfolgt eine Halte Zeit von 30min und die folgende Abkühlung durch 150°C/h.

Nach insgesamt 5 Tagen also, ist das Teller nun vorgebrannt und bereit für die Glasur. Momentan ist dieser nämlich porös, wie ein Blumentopf und wird nun durch Eintauchen oder durch das Auftragen mit dem Pinsel glasiert. Dies beansprucht je nach Wunsch des Kunden wiederum 3-5minuten aktiven Arbeitsaufwand pro Teller.

Anschliessend wird der glasierte Teller wieder in den Ofen eingesetzt und zu den gleichen Bedingungen wie bei unserem ersten Brand (max. 150°C/h) auf 1260°C gebrannt.

Unser Teller hat viel hinter sich und ist nun nach frühestens 8 Tagen komplett fertig.

Risikos und Fehlerentstehungen während der Herstellung:
Dies ist in der keramischen Welt ein riesiges Thema, worüber ich ein Buch schreiben könnte. Kurz und knapp erklärt, gibt es in jedem dieser verschiedenen Arbeitsschritte, viele Umgangsformen und Handfertigkeiten, die man beherrschen muss, um Fehler zu vermeiden. Kommt ein Teller aus dem Ofen und hat einen Riss, der vor dem Brand noch nicht da war, kann das 12 verschiedene Hintergründe haben, und das ist nur eines von vielen Fehlerbeispielen.

Die Erfahrung kommt mit der Zeit und man braucht viel Feingefühl, um Fehler vorbeugen zu können und muss dem Material genug Zeitgeben, damit sich die Qualität dessen entfalten kann. Besonders wenn es eben keine Massenproduktion ist, wo die Materialien auf das Gramm und Zeiten auf die Sekunden genau berechnet sind, wird auf jedes Stück individuell eingegangen.

Ich hoffe diese Informationen können helfen, zu verstehen, wie einzigartig, spannend und zeitintensiv die Handwerkskunst der Keramik ist. Bei Fragen zu diesem Thema, bin ich sehr offen und auch interessiert, mein Wissen mitzuteilen und mich auszutauschen. Mir ist wichtig das Material und den Prozess zu zeigen, um ein Bewusstsein beim Betrachter zu schaffen, damit er die Geschichte hinter unseren handgemachten Stücken sieht und wertschätzen kann.


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